Japans Regierung will Tanzverbot aufheben

Wer in Japans Klubs nach 1 Uhr nachts noch tanzt, begeht eine Straftat. Auch wegen der Olympischen Spiele in Tokio 2020 erwägt die Regierung, das mehr als 60 Jahre alte Tanzverbot zu entschärfen.

Tokio – „Please do not dance!“ – Schilder mit dieser Aufschrift hängen in vielen Bars und Klubs japanischer Großstädte. Das Tanzen an öffentlichen Orten ist nach einem 66 Jahre alten Gesetz nur in Lokalitäten erlaubt, die dafür eine besondere Genehmigung und eine große Tanzfläche haben. Und sogar hier gilt: Wer nach Mitternacht oder an manchen Orten nach 1 Uhr die Hüften kreist, begeht eine Straftat.

Das sogenannte Fueiho-Gesetz, das als eine Klausel das Zappelverbot enthält, wurde 1948 eingeführt. Damit sollten Bereiche der Unterhaltungsindustrie – vom Rotlicht über Glücksspiel bis zu Tanzbars – reguliert und kontrolliert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man so die grassierende Kriminalität und Prostitution bekämpfen. Obwohl das Gesetz nur noch wenig Sinn macht, besteht es weiterhin.

Japans Regierung könnte das Tanzverbot nun bald lockern oder abschaffen. In dieser Woche will Premierminister Shinzo Abe einen Antrag auf Gesetzesänderung stellen, der den betreffenden Absatz entfernen soll. Laut dem Antrag soll die Regierung bis März 2015 eine Entscheidung treffen.

Öffentliche Proteste gegen das Gesetz sind immer vehementer geworden, nachdem der Osakaer Klubbesitzer Masatoshi Kanemitsu 2012 verhaftet wurde: In seinem Klub sei angeblich „obszön“ getanzt worden. Im April diesen Jahres wurde er zwar freigesprochen, doch die Diskussion um das Gesetz dauert an. Der Dokumentarfilm „Save the Club Noon“ hat die Problematik einem großen Publikum bekannt gemacht.

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„Warum sollte Tanzen illegal sein?“

Jahrzehntelang hatten die meisten Klubbetreiber keine Tanzbewilligung eingeholt und die Öffnungszeiten weit in die Morgenstunden verlängert. Viele der Discotheken waren daher eigentlich illegal, mussten jedoch selten mit Verfolgung rechnen. Das ging gut bis 2010, als ein 22-jähriger Student in Osaka bei einer Schlägerei ums Leben kam. Auch wird vermutet, dass die Polizei aufgrund von Drogenskandalen das Fueiho-Gesetz verschärft anwendete. Danach nahmen Razzien in den Großstädten Osaka, Nagoya und Tokio zu, viele bekannte Klubs mussten temporär oder für immer schließen.

Takahiro Saito, ein Richter aus Tokio, leitet die Gegenbewegung zum Tanzverbot mit dem passenden Namen „Let’s Dance“. Er vermutet, dass die Olympischen Spiele 2020 der Grund für den plötzlichen Sinneswandel der Regierung sind. „Die Politiker fühlen offenbar Druck“, sagt er. „Sie wollen nicht, dass Japan bei den Touristen als langweiliges Land in Erinnerung bleibt. Als Land, in dem man nicht feiern kann.“ Saitos Petition gegen das Gesetz wurde mittlerweile von 150.000 Menschen unterschrieben.

„Das Gesetz ist unnötig“, sagt auch der Generalsekretär der Liberaldemokratischen Partei (LDP), Tsukasa Akimoto. Laut dem Politiker der Regierungspartei sei es realistisch, dass das Gesetz bis Ende des Jahres geändert wird. „Warum sollte Tanzen illegal sein?“

Quelle: SpiegelOnline |  jkö/Reuters

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